Gerald Nestler + Sylvia Eckermann (A)
www.geraldnestler.net / www.syl.eckermann.net

plastic trade-off — eine Börsen-Installation in Echtzeit und interaktiver virtueller Wissensraum

Für "working-world.net" realisierten Gerald Nestler und Sylvia Eckermann in Kooperation mit Beat Weber einen neuen Raum zum Thema Börse. Die vielschichtige, interaktive und dynamische Installation gibt sowohl die Sichtweise der beiden Künstler als auch eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Börsengeschehen wieder. Im Zentrum steht eine "Skulptur", transparent und leuchtend, die das Netzwerk der globalen Börsenmärkte, d.h. ihre Aktionsorte und deren Verknüpfungen auf dem Erdglobus verteilt als dreidimensionales Gebilde darstellt. Die kinetischen Veränderungen der Lichtelemente innerhalb der transparenten "Adern" der Skulptur entsprechen real-time-Codierungen des Börsengeschehens und seiner Datenströme. Indem sie ständig neue ästhetische Formen entwickelt, die sich aus realen Daten speisen, zeigt die Installation Börse als ein virtuelles infinites Wertmedium ebenso wie als soziales System. Reale Objekte und Transaktionen werden zerlegt in immer neue handelbare, verwertbare Virtualitäten, die wieder zurückwirken in die Realität und so Einfluss auf das Leben von Menschen und Gesellschaft nehmen. In ihrer Basis demokratisch angelegt und legitimiert, vermittelt die Börse zwar einerseits das Gefühl der Beherrschbarkeit, andererseits gleicht ihr System dem eines Mediums, dessen Existenz selbst bereits wesentliche, verändernde Information ist.
In die Skulptur eingebaut sind Interviews, Börsennachrichten sowie eine LED-Laufleiste "buywhatyousellwhat …".

Weiterer wesentlicher Bestandteil der Installation ist ein virtueller Wissensraum in Form eines Computerspiels, der Texte und Grafiken zu den Akteuren der Börse, ihrer Funktionsweise sowie den aktuellen gesellschaftspolitischen Diskursen rund um das Geschehen liefert. Der Besucher bewegt sich in einem virtuellen Börsenraum, durch einfaches Navigieren am Bildschirm kann er dabei die hochkomplexe Funktionsweise der Börse nachvollziehbar erleben.

(Doris Rothauer, Kuratorin)